HOME ÜBER MICH MEDIA PRESSE ANFRAGEN GAST IMPRESSUM PRESSEIm Dickicht der KuriositätenWattenscheid, 31.10.2011, Christopher BeckerDie Auftritte von Jürgen Dieckmann im „Charivari“ sind fast legendär. Wie schon in den vergangenen acht Jahren gab sich der Kabarettist auch diesmal wieder kurz vor dem Reformationstag in der Kult-Kneipe des Wattenscheider Bahnhofs die Ehre, rund 80 Gäste ließen sich vom rhetorischen Rundumschlag unter dem Motto „Menschen, Biere, Sensationen“ begeistern.So gab es gleich zu Beginn Überlebenstipps vom Meister des Wortes: „Wenn Sie glauben, es platzt Ihnen die Galle, lassen Sie es raus. Atmen Sie tief ein und sagen laut: ‚Ich mache diese Sch... nicht mehr mit!’ Sie glauben gar nicht, wie das hilft. Und machen Sie das am Bebel-Platz, haben Sie gleich ein Dutzend Fangruppen um sich herum.“Humor hilft weiterDoch wenn auch das in dieser Welt nicht hilft, bleibt immer noch der Humor. Und davon bringt Dieckmann nicht nur eine Menge mit, er schafft es, die alltäglichen Aufreger punktgenau auf die Bühne zu bringen. Mit einem Wink in die Hellwegstadt: „Tja, Frau Merkel und die AKWs. Mit Blick auf die Zeche Holland ist die DSK, also die Deutsche Steinkohle, weitaus ungefährlicher. Und was war selbst die DSK in der Kritik: Klimakiller, sogar von Vergewaltiger war die Rede. Was? Oh, da hab ich was verwechselt. In diesem Zusammenhang steht DSK ja für Dominique Strauss Kahn.“ Eine rhetorische Figur, der Dieckmann.Damit ging es weiter durch den Abend, im Dickicht der politischen und gesellschaftlichen Kuriositäten, der Analyst standesgemäß vor der schwarz-rot-goldenen Fahne: Von Merkel bis „Sackosie“, von Westerwelle bis Rösler hin zu „Willi Wuff“ (Christian Wulff) – „Was waren das noch Zeiten unter dem Wanderprediger von Elberfeld?!“ – der Komiker nahm sich bis zur ersten Pause alle zur Brust, nur unterbrochen durch Musik von Hildegard Knef und Hans Albers (mit Mütze, versteht sich).In Teil zwei und drei der kabarettistischen Verarbeitung der Geschehnisse waren es zunehmend die - womöglichen - Einblicke in das Leben Jürgen Dieckmanns, die das Publikum zum Lachen verführten. Ähnlich der Asterix-Erzählung vom „Haus, das Verrückte macht“ berichtete er vom Besuch im Bochumer Gericht mit all den Facetten der Bürokratie. Das Mitwirken in der Jury als „Chili-Tester“ wird den Zuhörern, wie auch den Involvierten – „Meine Därme sind ein gerades Rohr voller gasiger, schwefliger Flammen“ – noch lange im Gedächtnis bleiben.Ein weiterer Tipp seinerseits: Auch mit dem Verschenken eines Schoko-Adventskalenders sollte man vorsichtig sein. „Aber ich schweife ab.“Nur, was wäre so ein Dieckmann-Abend ohne Nationalhymne? Nichts. Insofern schloss er nach rund zwei Stunden und einigen Zugaben mit der Grönemeyer- und Maffay-Interpretation des Deutschlandliedes das Programm. In der Hoffnung seiner Fans natürlich, dass er zumindest „davon“ noch lange nicht genug hat.------------------------------------------------------------------------------------------Kabarett bietet scharfzüngige FeinkostWattenscheid, 13.10.2011, Ellen WiedersteinAm Schluss soll der geneigte Zuhörer das Gefühl haben, „ich bin noch mal davon gekommen.“ Jürgen A. (für Alexander) Dieckmann grinst sich eins. Zum guten Ende hin wird, sonst wäre es kein Dieckmann-Abend, auch Jopi Heesters seinen Auftritt bekommen. Weiß beschalt und mit Chapeau Claque behütet nimmt der Kabarettist singend all die und das auf die Schippe, die und was zuvor verschont geblieben sind bzw. ist. In astreinem holländischen Deutsch, versteht sich.Fangen wir doch mal am Anfang an. Wie seit mittlerweile acht Jahren immer Ende Oktober – „nicht zu Hällo Wien, sondern zum Reformationstag“ – tritt der Komödiant, Kabarettist, Komiker (Hauptsache, er wird nicht als Comedian bezeichnet) in „Männis Chäri Väri“ – oder für die nicht Eingeweihten, in Manfred Ortmanns „Charivari“ im Wattenscheider Bahnhof auf.Am 30. Oktober lädt der 53-jährige Mann des Wortes und des Gesangs zur Premiere seines nun achten Solo-Programms – „Menschen, Biere, Sensationen“ – ein. Der literarisch-politische Kabarettist verspricht „Lyrik, Lacher, Lei(d)tartikel“. Los geht’s um 20 Uhr, Einlass ist um 19 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro. Karten gibt’s im Vorverkauf im „Charivari“.Eine kleine Kostprobe gefällig? „Es geht natürlich nicht nur um die Miss Welt, sondern um die MissErfolg. Angela Merkel ist eine gute Krisenmanagerin (Dieckmann räuspert sich, muss lachen) und um ihren Vize-Philipp Rösler, der in Griechenland wie eine brennende Fackel durch die Dynamitfabrik gerannt ist.“ Für Dieckmann steht fest: „Ich werde mich in keinem Teil des Programms des Plagiat-Vorwurfs verantworten müssen.“ Die Katholiken kriegen genau so ihr Fett weg – eigene Splitter, fremde Balken – wie der Rest der Welt. Etwa Island. Laut Dieckmann „haben die Isländer nach ihrer schweren Finanzkrise den Vulkan angezündet, damit jeder weiß, wo Island ist“.Selbstredend schlägt der Scharfzüngige den Bogen auch gen Wattenscheid. „Wattenscheid spiegelt im kleinen Sprengel, was draußen in der ganzen Welt passiert.“ Mehr sei hier noch nicht verraten.Doch gibt es nicht nur politische Feinkost. Es darf, es soll auch gelacht werden. Dieckmann wird wieder singen, Beispiel Jopi Heesters. Er begleitet sich selbst dazu auf seiner Plüsch-Gitarre. Und setzt, wie in den Solo-Programmen zuvor (also warten die Leute schon drauf), die dritte Strophe der deutschen Nationalhymne um in bekannte Melodeien. Gern wird sich hier bedient bei Hits von Michael Holm bis Udo Lindenberg.Das Programm, um die zwei Stunden lang, ist dreigeteilt – in Menschen, in Biere, in Sensationen – mit jeweils zwei kurzen Pausen dazwischen. Genau mag sich Dieckmann in Sachen Programmlänge noch nicht festlegen. „Das Konzept steht. Aber es kann gut sein, dass mir zwischendurch immer wieder noch etwas einfällt“, weiß er nur zu gut, schon aus Erfahrung.Bis zur Premiere wird Dieckmann natürlich weiterhin das aktuelle Stadt-Land-Bund-Fluss-Geschehen verfolgen, um es in den Jahres-Rundumschlag mit einzubauen. Um eine Art Rückblick zu bieten, wähle er gern die Zeit Ende Oktober. Beim Besuch in der WAZ-Redaktion meinte er: „Wer weiß, wer und was alles noch bis Ende Oktober am Fliegenfänger hängen wird?!“------------------------------------------------------------------------------------------Der mit dem Bär stepptWattenscheid, 01.11.2010, Ferdi DickGutes bleibt... Der bekannte Slogan eines Kölner Rundfunksenders gilt im Umkehrschluss auch für die ein oder andere Geschichte im siebten Solo-Programm des Kabarettisten Jürgen Dieckmann.Was der 52-Jährige zu Gehör bringt, teils grotesk komödiantisch, teils auch zielgerichtet dilettantisch seinem Publikum vor Augen führt, sind Geschichten, die das Leben schreibt – in aller Welt, der Republik, in Stadt und Land. Und wie gesagt: Auch Schlechtes bleibt, weil unerledigt wie beispielsweise ein bäriges Versprechen, das Arcandor dem Wort-Akrobaten gegeben und bis heute nicht eingelöst hat.2009 hatte der Handels- und Touristkonzern, zu dem auch Karstadt zählt, den Teilnehmern seiner Imagekampagne „Verantwortung tragen“ als Dank einen Teddy versprochen. Auch Dieckmann machte mit und ließ sich sogar in einem Warenhaus mit dem kuscheligen Maskottchen fotografieren. Dann bekam er die Hiobsbotschaft, dass den Bären wegen der erfolgten Insolvenz das Fell über die Ohren gezogen worden sei. Mehr noch: Der Wattenscheider wurde aufgefordert, darüber nachzudenken, wie man Meister Petz möglicherweise aus der Insolvenzmasse heraus kaufen könne. „Mit Blick auf meinen Gehaltszettel fiel mir allerdings dazu nichts ein“, feixt Dieckmann.Nun hat bekanntlich Investor Nicolas Berggruen die Karstadt Warenhaus GmbH erworben, was Dieckmann veranlasst hat, sich nach dem Befinden der Bären zu erkundigen. „Eine Antwort steht allerdings noch aus“, berichtet er. „Ich bin gespannt, wie die Geschichte weiter geht.“Rund 90 Minuten lang führte Dieckmann am Sonntagabend rund siebzig Besucher im Charivari in seinem Programm „Kultur statt Haupt“ durchs „Wilde Absurdistan“, ließ sie den „Bahnsinn“ spüren und manches Geschmäckle kosten. Auch klärte er sie darüber auf, was heute Personalführung ist: „Das ist die Kunst, den Mitarbeiter so schnell über den Tisch zu ziehen, dass er die Reibungshitze als Nestwärme empfindet.“Sein Talent als Imitator bewies Dieckmann im Finale mit der Interpretation der Nationalhymne durch Herbert Grönemeyer (Bochum), Udo Lindenberg (Rudi Ratlos), Michael Holm (Tränen lügen nicht) und Peter Maffay (So bist Du). So ist er halt: Vielsagend und mehrstimmig!------------------------------------------------------------------------------------------„Kultur statt Haupt“Wattenscheid, Ferdi Dick vom 18.10.2010... lautet der Titel des siebten kabarettistischen Soloprogramms von Jürgen Dieckmann, das er am 31. Oktober ab 20 Uhr im Charivari auf die Bühne bringt.Haben Sie den Reformationstag bewusst für Ihren Auftritt gewählt? Antworten Sie bitte nur mit Ja oder Nein, nicht mit Vielleicht.Dieckmann Ja natürlich habe ich diesen Termin bewusst gewählt, weil für mich als Protestant der 31. Oktober der höchste evangelische Feiertag und nicht Halloween ist.WAZWie passt denn Ihr Kabarett zum Reformationstag?DieckmannLiterarisch politisches Kabarett gibt Meinung wider in Anlehnung an den Reformator Martin Luther, und Reformationstag ist auch ein politischer Tag. Auch wenn heutzutage das Wort Reform relativ schwach oder negativ besetzt ist.WAZWelche Rolle spielen denn Reformen in Ihrem Programm?DieckmannDa sage ich nur als Beispiel: Gesundheitsreform a la Rösler,Arbeitslosengeld II-Reform, und ich sage bewusst nicht Hartz IV, oder aber auch die seit langem versprochene Steuer- und Finanzreform.WAZKultur statt Haupt – wollen Sie möglicherweise mit dem Titel suggerieren, dass es in Stadt und Land an klugen Köpfen mangelt?DieckmannIm Gegenteil... ... Kultur beginnt aber immer von unten herauf. Im Gegensatz zu Haupt-, sprich von oben nach unten bestimmten -Maßnahmen. In Baden Württemberg würde man sagen: Hauptsache Bahnhof, und ich würde ergänzen: Oh Haupt voll Blut und Wunden.WAZDen Wahn- oder besser gesagt „Bahnsinn“ gibt es aber nicht nur in Stuttgart. Auch in Wattenscheid wird man demnächst über die Ankunft und Abfahrt von Zügen per Anzeige informiert, während die Uhr in der Bahnhofshalle weiterhin zeigerlos ist. Werden Sie einmal mehr auch die lokalen Defizite aufs Korn nehmen?DieckmannAber selbstverständlich. Es schreit ja nach einem Kommentar zu der Tatsache, dass aufgrund leerer Stadtkassen das Wildbret aus dem Höntroper Südpark heraus geschossen werden soll.WAZIst das denn der einzige Bock, der hier vor Ort geschossen werden soll?DieckmannWenn’s danach geht, wartet in meiner Programm-Vorbereitung eine ganze Herde auf mich. Ich werde mich, wie immer, aufs Wesentliche konzentrieren müssen, und das ist eigentlich schon mehr als genug für ein abendfüllendes Kabarett-Programm.WAZGibt es eine bestimmte Ziel-oder Altersgruppe, die Sie mit „Kultur statt Haupt“ ansprechen und erreichen wollen?DieckmannNatürlich ist auch Wattenscheid Kulturhauptstadt 2010.Aber wie mein Titel schon sagt, gehen hier die Uhren – und nicht nur in der Bahnhofshalle – anders. Da die Premiere meines Programms in der Kultur- und Szenekneipe Charivari stattfindet, spreche ich die Zielgruppe ab 16 bis 106 Jahre an und grundsätzlich alle an Wirtschaft Interessierte.WAZWelcher „wunde“ Punkt ist Ihnen diesmal besonders wichtig im Programm?DieckmannDass es nur solange Verlierer gibt wie man die Sieger siegen lässt.WAZDenken Sie, dass Ihre Botschaft verstanden wird?DieckmannDas wäre mir die Hauptsache.------------------------------------------------------------------------------------------Und die Kleinen schmeißt man raus...Wattenscheid, Ferdi Dick vom 13.10.2009Sechs & Dax & Rock'n'Roll!So hat Jürgen Dieckmann sein sechstes kabarettistisches Soloprogramm überschrieben, mit dem er am 1. November um 20 Uhr im Charivari am Bahnhof gastiert.Ein Interview mit dem 51-Jährigen.Jürgen, Sie sind bei der Firma Steilmann beschäftigt und dort seit Jahren auch als Betriebsrat gefordert. Hat man bei den Sorgen um die Zukunft des Traditions-Unternehmens noch Zeit, kabarettistische Gedanken zu entwickeln?DieckmannDie besten Geschichten schreibt das Leben, wobei mancher Arbeitstag bei der Firma Steilmann an Realsatire erinnert. Tumor ist, wenn man trotzdem lacht.WAZWird die Situation in Ihrem Unternehmen in Ihrem Programm eine Rolle spielen? Vielleicht beim Programmpunkt Rock'n'Roll, Schließlich steht der Belegschaft mit dem Umzug nach Bergkamen ein heißes Tänzchen bevor?Dieckmann:In meinem aktuellen Programm wird Steilmann die Rolle spielen, die der Firma zukommt, nämlich am Rande.WAZKönnen Sie uns vielleicht mit Blick auf das Randthema einekleine literarische Kostprobe geben?Zwei kleine Italiener, die träumen von BergamoDieckmannWenn ich in der WAZ singen könnte, würde ich intonieren „Zwei kleine Italiener, die träumen von Bergamo. . .” Aber da ich an dieser Stelle nicht singen kann, soll's das sein.WAZIhr Programmtitel erinnert an einen Slogan aus den 60er Jahren, der lautete: Sex and Drugs and Rock'n'Roll. Ist das beabsichtigt?DieckmannJa, aber die Alt-68er haben bei ihrem Weg durch die Instanzen vergessen, was sie eigentlich mal wollten. Früher Apo, heute Opa.1980 war noch vieles in Ordnung.WAZDas Plakat, mit dem Sie für den Besuch Ihrer Abendveranstaltung werben, zeigt Sie vor einer Dax-Kurve, die allerdings im Jahr 1980 endet. Was wollen Sie uns damit sagen?DieckmannDamals, 1980, war noch vieles in Ordnung. Da nannte man eine Regierung auch noch sozial-liberal und nicht Jamaica. Willy Brandt, Herbert Wehner und selbst Franz-Josef Strauß würden sich bei der heutigen Politik im Grabe umdrehen.Wenn ich mir Schwarz-Gelb ansehe – auf der einen Seite Schönheit, Grazie und pure Weiblichkeit, auf der anderen Angela Merkel.WAZSie sind im Vergleich zu Ihrem fünften Programm körperlich ein wenig runder geworden, Ihrer Zunge scheint unter dieser Veränderung nicht gelitten zu haben.Steigerung von Kohl ist nicht KöhlerDieckmannDas ist aber ein dickes Ding.Nein – ich habe einfach die Raucherei aufgegeben. Außerdem: Bei einer Haarfarbe wie Steinmeier und einem Umfang wie Kohl wäre ich prädestiniert, zur nächsten Bundespräsidentenwahl anzutreten, denn die Steigerung von Kohl ist nicht Köhler.WAZApropos Köhler.Der Bundespräsident hat kürzlich gesagt, er wünsche sich Bankiers zurück statt Banker. Was sagen sie mit Blick auf ihren Themen-Schwerpunkt ,Dax' dazu?DieckmannRecht so! Es kann doch nicht angehen, dass Banker, zum Beispiel der Hypo Real Estate-Bank, mit Glacee-Handschuhen angefasst werden, und die sogenannten ,Kleinen Leute' fristlos gekündigt werden, weil sie eine Frikadelle gegessen haben oder einen Pfand-Bon in Höhe von 1,25 Euro ,unterschlagen' haben.Da fällt es einem schwer, mit der Konjunktur zu gehen. Und wieder einmal zeigt sich:Die Großen lässt man laufen, und die Kleinen schmeißt man raus.------------------------------------------------------------------------------------------Serdar Yüksel, die WAT-Antwort auf ObamaText: WAZ, Lars Karsten vom 03.11.2008Kabarettist Jürgen Dieckmann outet sich im Charivari:"Ich bin arm, aber sexy"Als Humanist mit spitzer Zunge, manchmal der Verzweiflung nahe, aber stets fern davon zu resignieren, präsentierte sich Kabarettist Jürgen Dieckmann (50) bei seinem Auftritt im Charivari.Mit seinen verbalen Giftpfeilen zielt Dieckmann beispielsweise auf die SPD. Der Auftritt von Franz Müntefering in der Stadthalle ändert nichts an seinem Gefühl, dass eine Rückkehr von Helmut Schmidt bevorsteht. "Dass ist der, der mit seiner Frau Loki nur Luft atmet, die man auch sehen kann." Gesine Schwan sei im übrigen die Frau, die sich mit einem Pyrokracher frisiere und Serdar Yüksel die Wattenscheider Antwort auf Barack Obama.Der Blick für den alltäglichen Wahnsinn, sowohl in der Alten Freiheit als auch in der Republik, zeichnet Dieckmann aus. Süffisant berichtet er von den Sportereignissen des Jahres, der spritzigen Tour de France, den Olympischen Spielen im Reich der Mitte(l) und dem Oktoberfest mit seinen traditionellen Disziplinen Kampftrinken, Fingerhakeln und Schenkelklopfen.Die spitze Zunge nimmt zur Kenntnis, dass Lokalpolitiker wie auf Knopfdruck einstimmig "Deckel drauf" fordern. Beinahe betrübt wirkt die Feststellung, dass die Spannungen um den Karnevalsauftakt am 9. November nur Wasser auf die Mühlen der Neutralen Partei Deutschlands sind.Immer wieder flicht Dieckmann in sein dreiteiliges Programm kurze, trockene Bemerkungen ein wie: "Ich habe keinen Bauch bekommen, mir ist nur die Brust eingefallen." Einer der Höhepunkte seines gut zweistündigen Auftrittes ist die Geschichte, wie er auszog, um eine Feinstaubplakette zu kaufen. Das Vorhaben entwickelt sich zur Odyssee zwischen Bürgerbüros und Dekrastellen und endet schließlich mit dem Rat: "Kauf Dir doch ein neues Auto."Der Kabarettist leistet sich den ein oder anderen Durchhänger, bleibt aber schlagfertig: "Berlin ist arm aber sexy. So schließt sich der Kreis, ich bin auch beides", stellt er fest. Ein Zuhörer fragt: "Du bist Berlin?" und Dieckmann entgegnet trocken:"Nein, ich bin arm aber sexy."------------------------------------------------------------------------------------------Wie einst Hütchen-ErichWAZ Wattenscheid vom 22.10.2008Jürgen Dieckmann hofft bei seinem Auftritt im Charivari auf ein Wahlergebnis von "98 Prozent und mehr".Das neue Programm des Wattenscheiders verspricht"Spott, Spiel und Spannung"Ein Mann mit vielen Gesichtern:Jürgen Dieckmann gibt sich auf dem Plakat zu seinem Kabarett-Auftritt im Charivari betont sportlich. Der Titel "Spott, Spiel, Spannung" erinnert an eine Kinderstunden-Sendung der ARD aus den 60er Jahren. Dass er auf den Mund gefallen wäre, kann man dem Kabarettisten Jürgen Dieckmann fürwahr nicht vorwerfen. Am Sonntag, 2. November, stellt er im Charivari im Bahnhof Wattenscheid sein fünftes Soloprogramm vor.Im Interview erzählte er WAZ-Volontärin Nina Estermann, was sein spöttisches Herz bewegt.WAZWas erwartet die Besucher bei "Spott, Spiel, Spannung"?DieckmannMein Programm läuft ja unter dem Begriff literarisch-politisches Kabarett. Unter anderem bin ich Vertreter meiner selbst ausgedachten Bühnenpartei CPDML - das heißt Christliche Partei Deutschlands Marxistisch-Leninistisch. Diese Partei deckt das politische Spektrum von rechts nach links komplett ab. Parteisitz Wattenscheid-Ost. Auf der Bühne versuche ich, Mitglieder zu werben. Das läuft ein bisschen wie das Programm einer Dauerwerbesendung.WAZWelche Chancen rechnet sich Bühnen-Dieckmann bei den nächsten Kommunalwahlenfür die CPDML aus?Dieckmann (schaut sehr ernst und bedeutend)WAZIch rechne eigentlich mit einem Honecker-Ergebnis - 98 Prozent und mehr.Woher nehmen Sie den Stoff für Ihre Nummern?DieckmannEs geht nichts über ein saftiges Missverständnis, das eine Situation so richtig anheizt. Und davon gibt es in der Politik ja so einige. Meine Programme entstehen übers ganze Jahr. Alles, was mir auffällt, wird gesammelt und aufgeschrieben. Das eigentliche Programm entsteht allerdings erst rund zwei Wochen vor dem Auftritt.WAZUnd - was sind denn dieses Mal Ihre Themen?DieckmannNatürlich geht es um die Bankenkrise. Da will die Frau Merkel jetzt in der Krise Verantwortung übernehmen.Ich hatte immer gedacht, die Regierung müsse immer Verantwortung übernehmen.Sport darf natürlich auch nicht fehlen, zum Beispiel die Tour de France.Da bekommt das Wort "Spritztour" eine ganz neue Bedeutung. Der bayerische Wahlkampf ist auch ein Thema, wo es hieß, ein echter Mann könne auch nach zwei Maß Bier noch Auto fahren. Ich bringe auf jeden Fall mal so einen Maßkrug mit. Und dann gibt es da noch die schwarz-grüne Koalition in Hamburg - da bauen die Grünen auf einmal schön am Kohlekraftwerk mit. Es ist ja immer ein Füllhorn an Späßen, wenn man Kabarett macht.WAZUnd lokale Themen?DieckmannNatürlich die Verleihung des Gertrudis-Preises. Da muss man was zu sagen. Aber auch um Feinstaub geht es, aus ganz persönlichen Gründen, weil ich nämlich ein Auto habe, mit dem ich in keine Umweltzone fahren darf. Der Besuch von Münte in Wattenscheid - das ist doch eine Steilvorlage. Der hat damals gesagt: "Ich bin mal kurz weg" - und die haben verstanden "Nehmt den Kurt Beck".WAZSie stehen seit neun Jahren auf der Bühne. Kennen Sie Ihr Publikum?DieckmannEs hat sich schon ein Stammpublikum etabliert.Zum Beispiel kommen viele Vertreter aus der lokalen Politik.Insgesamt passen 80 bis 100 Leute ins Charivari.Dem Zuhörer bleibt nichts erspart - ich singe auch auf der Bühne,aus Kostengründen leider nur a capella.Da greift auch bei mir die Weltwirtschaftskrise. http://www.derwesten.de/staedte/wattenscheid/ Um alle Inhalte sehen zu können, benötigen Sie den aktuellen Adobe Flash Player. |