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Wie einst Hütchen-ErichWAZ Wattenscheid vom 22.10.2008Jürgen Dieckmann hofft bei seinem Auftritt im Charivari auf ein Wahlergebnis von "98 Prozent und mehr".Das neue Programm des Wattenscheiders verspricht "Spott, Spiel und Spannung" Ein Mann mit vielen Gesichtern: Jürgen Dieckmann gibt sich auf dem Plakat zu seinem Kabarett-Auftritt im Charivari betont sportlich. Der Titel "Spott, Spiel, Spannung" erinnert an eine Kinderstunden-Sendung der ARD aus den 60er Jahren. Dass er auf den Mund gefallen wäre, kann man dem Kabarettisten Jürgen Dieckmann fürwahr nicht vorwerfen. Am Sonntag, 2. November, stellt er im Charivari im Bahnhof Wattenscheid sein fünftes Soloprogramm vor. Im Interview erzählte er WAZ-Volontärin Nina Estermann, was sein spöttisches Herz bewegt.Was erwartet die Besucher bei "Spott, Spiel, Spannung"?Jürgen Dieckmann: Mein Programm läuft ja unter dem Begriff literarisch-politisches Kabarett. Unter anderem bin ich Vertreter meiner selbst ausgedachten Bühnenpartei CPDML - das heißt Christliche Partei Deutschlands Marxistisch-Leninistisch. Diese Partei deckt das politische Spektrum von rechts nach links komplett ab. Parteisitz Wattenscheid-Ost. Auf der Bühne versuche ich, Mitglieder zu werben. Das läuft ein bisschen wie das Programm einer Dauerwerbesendung.Welche Chancen rechnet sich Bühnen-Dieckmann bei den nächsten Kommunalwahlen für die CPDML aus?Jürgen Dieckmann: (schaut sehr ernst und bedeutend) Ich rechne eigentlich mit einem Honecker-Ergebnis - 98 Prozent und mehr.Woher nehmen Sie den Stoff für Ihre Nummern?Dieckmann: Es geht nichts über ein saftiges Missverständnis, das eine Situation so richtig anheizt. Und davon gibt es in der Politik ja so einige. Meine Programme entstehen übers ganze Jahr. Alles, was mir auffällt, wird gesammelt und aufgeschrieben. Das eigentliche Programm entsteht allerdings erst rund zwei Wochen vor dem Auftritt.Und - was sind denn dieses Mal Ihre Themen?Dieckmann: Natürlich geht es um die Bankenkrise. Da will die Frau Merkel jetzt in der Krise Verantwortung übernehmen. Ich hatte immer gedacht, die Regierung müsse immer Verantwortung übernehmen. Sport darf natürlich auch nicht fehlen, zum Beispiel die Tour de France. Da bekommt das Wort "Spritztour" eine ganz neue Bedeutung. Der bayerische Wahlkampf ist auch ein Thema, wo es hieß, ein echter Mann könne auch nach zwei Maß Bier noch Auto fahren. Ich bringe auf jeden Fall mal so einen Maßkrug mit. Und dann gibt es da noch die schwarz-grüne Koalition in Hamburg - da bauen die Grünen auf einmal schön am Kohlekraftwerk mit. Es ist ja immer ein Füllhorn an Späßen, wenn man Kabarett macht.Und lokale Themen?Dieckmann: Natürlich die Verleihung des Gertrudis-Preises. Da muss man was zu sagen. Aber auch um Feinstaub geht es, aus ganz persönlichen Gründen, weil ich nämlich ein Auto habe, mit dem ich in keine Umweltzone fahren darf. Der Besuch von Münte in Wattenscheid - das ist doch eine Steilvorlage. Der hat damals gesagt: "Ich bin mal kurz weg" - und die haben verstanden "Nehmt den Kurt Beck".Sie stehen seit neun Jahren auf der Bühne. Kennen Sie Ihr Publikum?Dieckmann: Es hat sich schon ein Stammpublikum etabliert. Zum Beispiel kommen viele Vertreter aus der lokalen Politik. Insgesamt passen 80 bis 100 Leute ins Charivari. Dem Zuhörer bleibt nichts erspart - ich singe auch auf der Bühne, aus Kostengründen leider nur a capella. Da greift auch bei mir die Weltwirtschaftskrise.---------------------------------------------------------------------------------------Serdar Yüksel, die WAT-Antwort auf ObamaText: WAZ, Lars Karsten vom 03.11.2008Kabarettist Jürgen Dieckmann outet sich im Charivari: "Ich bin arm, aber sexy"Als Humanist mit spitzer Zunge, manchmal der Verzweiflung nahe, aber stets fern davon zu resignieren, präsentierte sich Kabarettist Jürgen Dieckmann (50) bei seinem Auftritt im Charivari. Mit seinen verbalen Giftpfeilen zielt Dieckmann beispielsweise auf die SPD. Der Auftritt von Franz Müntefering in der Stadthalle ändert nichts an seinem Gefühl, dass eine Rückkehr von Helmut Schmidt bevorsteht. "Dass ist der, der mit seiner Frau Loki nur Luft atmet, die man auch sehen kann." Gesine Schwan sei im übrigen die Frau, die sich mit einem Pyrokracher frisiere und Serdar Yüksel die Wattenscheider Antwort auf Barack Obama.Der Blick für den alltäglichen Wahnsinn, sowohl in der Alten Freiheit als auch in der Republik, zeichnet Dieckmann aus. Süffisant berichtet er von den Sportereignissen des Jahres, der spritzigen Tour de France, den Olympischen Spielen im Reich der Mitte(l) und dem Oktoberfest mit seinen traditionellen Disziplinen Kampftrinken, Fingerhakeln und Schenkelklopfen. Die spitze Zunge nimmt zur Kenntnis, dass Lokalpolitiker wie auf Knopfdruck einstimmig "Deckel drauf" fordern. Beinahe betrübt wirkt die Feststellung, dass die Spannungen um den Karnevalsauftakt am 9. November nur Wasser auf die Mühlen der Neutralen Partei Deutschlands sind. Immer wieder flicht Dieckmann in sein dreiteiliges Programm kurze, trockene Bemerkungen ein wie: "Ich habe keinen Bauch bekommen, mir ist nur die Brust eingefallen." Einer der Höhepunkte seines gut zweistündigen Auftrittes ist die Geschichte, wie er auszog, um eine Feinstaubplakette zu kaufen. Das Vorhaben entwickelt sich zur Odyssee zwischen Bürgerbüros und Dekrastellen und endet schließlich mit dem Rat: "Kauf Dir doch ein neues Auto." Der Kabarettist leistet sich den ein oder anderen Durchhänger, bleibt aber schlagfertig: "Berlin ist arm aber sexy. So schließt sich der Kreis, ich bin auch beides", stellt er fest. Ein Zuhörer fragt: "Du bist Berlin?" und Dieckmann entgegnet trocken: "Nein, ich bin arm aber sexy." ---------------------------------------------------------------------------------------Und die Kleinen schmeißt man raus...Wattenscheid, Ferdi Dick vom 13.10.2009Sechs & Dax & Rock'n'Roll! So hat Jürgen Dieckmann sein sechstes kabarettistisches Soloprogramm überschrieben, mit dem er am 1. November um 20 Uhr im Charivari am Bahnhof gastiert. Ein Interview mit dem 51-Jährigen.Jürgen, Sie sind bei der Firma Steilmann beschäftigt und dort seit Jahren auch als Betriebsrat gefordert. Hat man bei den Sorgen um die Zukunft des Traditions-Unternehmens noch Zeit, kabarettistische Gedanken zu entwickeln? Dieckmann: Die besten Geschichten schreibt das Leben, wobei mancher Arbeitstag bei der Firma Steilmann an Realsatire erinnert. Tumor ist, wenn man trotzdem lacht. Wird die Situation in Ihrem Unternehmen in Ihrem Programm eine Rolle spielen? Vielleicht beim Programmpunkt Rock'n'Roll, Schließlich steht der Belegschaft mit dem Umzug nach Bergkamen ein heißes Tänzchen bevor? Dieckmann: In meinem aktuellen Programm wird Steilmann die Rolle spielen, die der Firma zukommt, nämlich am Rande. Können Sie uns vielleicht mit Blick auf das Randthema eine kleine literarische Kostprobe geben? Zwei kleine Italiener, die träumen von Bergamo Dieckmann: Wenn ich in der WAZ singen könnte, würde ich intonieren „Zwei kleine Italiener, die träumen von Bergamo. . .” Aber da ich an dieser Stelle nicht singen kann, soll's das sein. Ihr Programmtitel erinnert an einen Slogan aus den 60er Jahren, der lautete: Sex and Drugs and Rock'n'Roll. Ist das beabsichtigt? Dieckmann: Ja, aber die Alt-68er haben bei ihrem Weg durch die Instanzen vergessen, was sie eigentlich mal wollten. Früher Apo, heute Opa.1980 war noch vieles in Ordnung. Das Plakat, mit dem Sie für den Besuch Ihrer Abendveranstaltung werben, zeigt Sie vor einer Dax-Kurve, die allerdings im Jahr 1980 endet. Was wollen Sie uns damit sagen? Dieckmann: Damals, 1980, war noch vieles in Ordnung. Da nannte man eine Regierung auch noch sozial-liberal und nicht Jamaica. Willy Brandt, Herbert Wehner und selbst Franz-Josef Strauß würden sich bei der heutigen Politik im Grabe umdrehen. Wenn ich mir Schwarz-Gelb ansehe – auf der einen Seite Schönheit, Grazie und pure Weiblichkeit, auf der anderen Angela Merkel.Sie sind im Vergleich zu Ihrem fünften Programm körperlich ein wenig runder geworden, Ihrer Zunge scheint unter dieser Veränderung nicht gelitten zu haben.Steigerung von Kohl ist nicht Köhler Dieckmann: Das ist aber ein dickes Ding. Nein – ich habe einfach die Raucherei aufgegeben. Außerdem: Bei einer Haarfarbe wie Steinmeier und einem Umfang wie Kohl wäre ich prädestiniert, zur nächsten Bundespräsidentenwahl anzutreten, denn die Steigerung von Kohl ist nicht Köhler.Apropos Köhler. Der Bundespräsident hat kürzlich gesagt, er wünsche sich Bankiers zurück statt Banker. Was sagen sie mit Blick auf ihren Themen-Schwerpunkt ,Dax' dazu? Dieckmann: Recht so! Es kann doch nicht angehen, dass Banker, zum Beispiel der Hypo Real Estate-Bank, mit Glacee-Handschuhen angefasst werden, und die sogenannten ,Kleinen Leute' fristlos gekündigt werden, weil sie eine Frikadelle gegessen haben oder einen Pfand-Bon in Höhe von 1,25 Euro ,unterschlagen' haben. Da fällt es einem schwer, mit der Konjunktur zu gehen. Und wieder einmal zeigt sich: Die Großen lässt man laufen, und die Kleinen schmeißt man raus.---------------------------------------------------------------------------------------


(c) NIXXXBLICKER-FILM





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